Weltrekord über 10km Rückwärtslaufen

10km am Stück laufen ist für viele ein Ziel. Diese Strecke in weniger als 40 Minuten zu schaffen, ist eine echte Herausforderung, für die man regelmäßig trainieren muss. Wenn man diese Herausforderung im Rückwärtsgang bewältigt, dann ist das Weltklasse und seit heute Weltrekord.

In Dresden beim Oberelbe Marathon bin ich die 10km rückwärts in 39:20 Minuten gelaufen und bin damit der erste Mensch unter der 40 Minuten Schallmauer. Und das allerbeste dabei: Ich werde für immer der erste Mensch unter dieser Grenze bleiben. Ein Rekord für die Ewigkeit. Genau das hat mit schon die letzten Jahre gejuckt. Nachdem ich 2011 Weltrekord in 40:58min gelaufen bin, war der Traum, noch eine Minute schneller zu laufen. Nur drei Wochen später war der Weltrekord schon wieder weg. Achim Aretz aus Münster lief 40:02 Minuten auf einem nicht ganz einfachen Kurs. Hut ab und noch mal Glück gehabt, dass Achim um 2 Sekunden die Bestmarke für die Ewigkeit verpasste.

Seither, also seit fast vier Jahren, steht nun der Rekord knapp über 40 Minuten und immer die Gefahr, dass jemand die Schallmauer durchbricht. In diesem Winter fasste ich dann den Entschluss, ich will unter 40 Minuten laufen und ich will das als erster Mensch schaffen. So lief ich bereits im Dezember die ersten wenigen KM rückwärts. Nach 2-3 Kilometern musste ich mich schon wieder mehrere Tage erholen, um keine Verletzung und Reizung zu riskieren. Auch im Trainingslager in Portugal im Januar bin ich rückwärts gelaufen. Einmal mit Rico Schwarz, deutscher Meister über 10.000m. Er war gerade beim Dauerlauf und ich beim 2km-Intervall.

Einen genauso prominenten Trainingsbegleiter hatte ich im Januar. Martin Grau, der schnellste deutsche Hindernisläufer, trainierte mit mir. 7x1000m für mich, 10x1000m für Martin. 3:40min für mich, 3:00min für Martin. Und somit ergab sich die Pause bei mir von 1:50min und bei Martin von 2:30min. Wir jagten uns den schnurgeraden Wirtschaftsweg hoch und runter und während ich vor Martin weg rannte, versuchte er mich ein- und zu überholen. Unvergesslich und ein anstrengend witziger Spaß für uns beide. Zuguterletzt nutzte ich auch meinen alten Bekannten Ingo fürs Training. Viel zu selten in den letzten Jahren zusammen trainiert, weil wir nicht mehr ganz die gleiche Geschwindigkeit rennen, war der Rekordlauf unsere Austauschplattform. Sonntagmorgen 8 Uhr. Wir trafen uns und rannten gemeinsam 20km. Ich bis zu 16 rückwärts, Ingo immer den Blick auch für mich nach vorne gerichtet und nebenbei konnten wir uns mal wieder ausgiebig unterhalten und dabei sogar in die Augen schauen.

Woche für Woche konnte ich die Geschwindigkeit und auch die Strecken- oder Intervalllängen steigern. Fortschritt beim Rückschritt und das mit Siebenmeilen Stiefeln. Wirklich grandios und mit ganz viel Spaß und Freude. Am 22. März war ich dann mit Anna und Lisa Hahner in Dresden beim Citylauf und nutzte die Gelegenheit für einen Trainingslauf. Knapp über 42 Minuten zeigten mir damals schon, dass die Richtung stimmt und dass es was werden kann mit unter 40 Minuten.

Und heute konnte ich dann alles auf den Asphalt zaubern. Die super Vorbereitung des Events von Uwe Sonntag. Die klaren Kommandos von Stefan, der mir 10km lang den Weg erklärte, den ich nicht sehen konnte. Ulf, der mir jede Zwischenzeit stoppte, die ich haben wollte. André, der auch mit seinen zwei Kollegen die Walker und Passanten informierte, dass gleich der Dold-Express vorbei rauscht. So hatte ich freie Bahn und wusste, wo ich hinlaufen sollte und das alles von meinen insgesamt sieben Radbegeitern umgesetzt. Ein dickes Weltrekord Danke dafür. 

Losgelaufen bin ich am Blauen Wunder am Elbradweg in 3:56min, danch folgten zwei Kilometer in 4:06 bzw. 4:07Minuten, so dass ich nach drei Kilometern nicht ganz zufrieden war mit meiner Zeit. Kein Problem, bis Kilometer fünf hatte ich das auf 19:58min korrigiert und ab dann ging es mit Volldampf dem Stadion entgegen. Im Stadion nach über 7 Kilometern haben mich dann die Zuschauer empfangen. An den Absperrungen in Dreierreihen aufgefädelt zauberten sie mir eine Gänsehaut auf den gesamten Rücken. Einfach nur beeindruckend wie ich die letzten 7 Runden im Stadion drehen durfte. Den letzten Kilometer wollte ich dann noch mal ein bisschen beschleunigen, ein klassischer langezooogeeener Zielspurt. Ohne Gegner und für ein paar Sekunden auf der Zieluhr rannte ich mit noch größeren Schritten im Hans Steyer Stadion. Auf den letzten Metern tuschierte ich noch ein Hütchen, weil ich nicht mehr dran gedacht habe, dass ich in den Zielkanal einbiegen muss. Nicht so wild und vor allem weiterhin auf den Beinen ging es dann die letzten zwanig Meter meinem Rekord für die Ewigkeit entgegen. Ein riesiges Gefühl und das durfte ich danach in den Interviews direkt teilen. So schön.

Ich denke, das Gefühl wird noch lange anhalten, vermutlich sehr lange. Denn wenn ich in vielen vielen Jahren meinen Enkelkindern erzählen darf, was ich in meinem Leben schon gemacht habe, dann wird der Tag heute sicher dabei sein. Der Tag, an dem ich der erste Mensch unter 40 Minuten rückwärts war. Hoffentlich ein Vorbild, dass sie auch ganz neue Dinge erreichen, die noch nie jemand versucht oder zumindest noch nie jemand erreicht hat.

 Im MDR gab es im Sachsen Spiegel einen tollen Beitrag vom Weltrekord-Lauf. 

Auch die Radiostationen haben vom Rekordlauf berichtet: Radio PSR und Radio Dresden

 

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